Hermann Ulrich Per Korf

Visionen - Was wäre wenn?

 


Vision sind gedanklich gereifte Ideen und Vorstellungen, die in ihrer Ausbreitung bereits eine feste Gestalt angenommen haben. Sie sind erweiterungsfähig, wandelbar, variabel formbar und auf Abruf präsent. Sie sind jedoch nicht greifbar, nicht direkt umsetzbar, nicht wertbar. Aber sie sind verwertbar, mitteilungsfähig, diskutierbar und mitreißend.

Sie können Dimensionen verbinden, Abgründe überbrücken, Ängste zuschütten, Hoffnungen schüren und Menschen animieren. Damit sind sie optimistisch und pessimistisch schöpferisch zugleich einsetzbar. Somit unterliegen sie einer Pflicht zur Selbstkontrolle, sofern es um ihre Weitergabe geht, denn ab diesem Moment sind sie nach allgemeinen Wertmaßstäben einordnungsfähig.

Um nicht enttäuscht oder angeprangert zu werden, ziehen wir uns allein in unsere Visionen zurück und bilden lieber „hypothetische Visionen“. Ein „was-wäre-wenn“ ist eben nicht genug, um die Freiheit der Gedanken auch öffentlich frei werden zu lassen. Daher stülpen wir unseren Visionen lieber noch ein Deckmäntelchen mit einem „was-wäre-wenn-wir-einmal-annehmen-könnten...“ über, um bloß nicht ausgegrenzt zu werden. Das gilt für private, intime, familiäre, partnerschaftliche, berufliche und politische Bereiche gleichermaßen. Lieber fress ich alles in mich hinein, als Opfer meines Mitteilungsbedürfnisses zu werden. Und dabei sind es die eingeengten Gedankenmuster, die Ängste, der Neid und die allgemeine Missgunst grad derer, auf die wir so viel Wert zu legen scheinen, die uns lieber depressiv werden lassen, als unsere optimistische Gute-Laune-Vision zu teilen. Es wird Zeit dafür, dass unsere Gedanken wirklich frei sind, damit wir uns schöpferisch verwirklichen und in dem selbst wiederfinden können, was wir unserer Umwelt mitteilen.

 

Was wäre also, wenn zum Beispiel der in Ministerien und Regierungen so vehement verbreitete Lobbyismus genauso geahndet würde, wie die Korruption?

 

Wenn also alle Abgeordneten tatsächlich nur im Sinne des Volkes handeln und wirklich nur nach bestem Wissen und vor allem Gewissen handelten?

 

Und somit keine Banken, Versicherungen, Großunternehmen und Finanzhaie aus dem In- und Ausland keinen direkten Einfluss mehr auf  die freie Entscheidungshoheit der vom Volk gewählten Vertreter hätten?

 

Wie hoch wären dann die Energiekosten?

 

Wie teuer tatsächlich der Sprit?

 

Wie umweltverträglich müsste unsere Industrie dann handeln?

 

Gäbe es tatsächlich noch Hartz IV, oder würde dieses Gesetz nicht genauso verurteilt wie es sein Erfinder aufgrund seines Fehlverhaltens eigentlich hätte werden müssen?

 

Würden dann Manager ungestraft die Steuermillionen als Prämien kassieren, die eigentlich von uns zur Abwehr des wirtschaftlichen Desasters gezahlt werden?

 

Wären dann Behören und ihre Mitarbeiter  endlich echt bürgernah und wüssten, dass sie genau von denen finanziert werden, über die sie gerade befinden wollen?

 

Gäbe es wirklich eine Gesundheitsreform, die es unter anderem Älteren und Schwächeren, dauerhaft und schwer kranken Menschen unmöglich macht, gesund zu werden oder mit den richtigen Mitteln zu leben?

 

 

Oder würde nicht eher für jeden Leidenden genau die Methode und die Rezeptur gesucht und eingesetzt, die ihn am besten in die Lage versetzt, am Leben wieder richtig teilzuhaben?

 

Gäbe es dann noch eine Umverteilung von unten nach oben???

 

 

Steuersparmodelle für Wohlhabende oder die unkontrollierte Macht von Versicherungen und anderen Finanzmagnaten mit unserem Bruttosozialprodukt umzugehen, als wäre es einer ihrer Golfbälle?

 

 

Wie sähe es dann aus mit Kinderarmut in Deutschland, Suppenküchen wie im Mittelalter, Spenden von Lebensmitteln und Kleidung für die sozial Schwach - Gemachten?

 

Wenn der Staat die Hilfe von Spenden und ehrenamtlichen Mitarbeitern braucht, um zumindest ein Minimalangebot aus dem ehemaligen Spektrum der sozialstaatlichen Demokratie unseres Grundgesetzes – jetzt Verfassung – zu gewährleisten, dann ist er eigentlich aus der Sicht des Volkes gesehen bankrott,  zumindest ist es eine Bankrotterklärung an die Gründer der Bundesrepublik Deutschland.

 

Weiter: Unantastbarkeit der persönlichen Rechte, Datenschutz, Schutz der Familie etc. sind mittlerweile zur Farce entwürdigt. Würden Alleinerziehende oder Familien mit mehreren Kindern immer noch als soziale Außenseiter angesehen und vom Staat und vielen öffentlichen Medien so behandelt? Wird es sie wieder geben, die unbeschwerte Kindheit, Lachen, Spielen und Toben ohne Angst vor Gewalt und mürrischen Vermietern?

 

 

Die Versorgung der Senioren und Gebrechlichen, der Schwersterkrankten und Pflegebedürftigen, also all derer, die bei uns zum Schluss kommen, weil sie nichts mehr einbringen, unbequem sind und das auf Gedeih und Verderb auf Jung getrimmte Öffentlichkeitsbild stören???

 

Welche Macht hätte noch die Kirche mit all ihrem verborgenen Kapital?

 

 

Viele Fragen, die vielen Visionen den Weg ans Licht ermöglichen könnten, wenn wir es zuließen. Wenn die Angst vor dem Pranger nicht zu groß und der Weg zur hypothetischen Vision nicht so leicht zu verlassen wäre....

 

 

 

 

 

 

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